Während die Welt den Internationalen Tag der Farbe am 21. März begeht, feiert man in den USA den Nationalen Tag der Farbe heute, am 22. Oktober. Beide Feiertage erinnern und wertschätzen Farben und ihre Wirkung in unserem Alltag.

Der 21. März wurde als Internationaler Tag der Farbe bewusst zum Frühlingsanfang gewählt, also zur Zeit der Tag-Nacht-Gleiche im Frühjahr. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag Farben als visuelle Vitamine für Körper, Geist und Seele.

Die Einführung des National Color Day in den USA hat dagegen einen ganz anderen Hintergrund. Initiiert wurde er von Generla Motors (GN), einem der größten US-amerikanischen Automobilkonzerne mit Sitz in Detroit, Michigan.

Warum hat General Motors den Tag der Farben in den USA eingeführt?

General Motors (GM) rief den National Color Day am 22. Oktober 2009 ins Leben, um eine Werbe- und Marketingkampagne für das damals neue Elektroauto Chevrolet Volt zu unterstützen.

Der eigentliche Anlass war eine groß angelegte Online-Petition und Namenssuche: GM hatte für den Chevrolet Volt eine spezielle, silber-glänzende Launch-Farbe entwickelt. Pünktlich zum 22. Oktober rief der Autobauer die Öffentlichkeit dazu auf, Vorschläge für den offiziellen Namen dieses Lacks einzureichen. Um dieser PR-Aktion mehr Reichweite und ein feierliches Fundament zu geben, deklarierte General Motors das Datum kurzerhand zum nationalen Tag der Farbe.

Wie aus der PR-Aktion ein echter Feiertag wurde

Obwohl der Ursprung reines Konzernmarketing war, verselbstständigte sich der Tag in den Folgejahren schnell. Heute hat der Aktionstag seine kommerziellen Wurzeln weitgehend abgelegt. Er wird stattdessen allgemein genutzt, um:

  • Die psychologische und emotionale Wirkung von Farben auf den Menschen zu beleuchten.
  • Zu zeigen, wie Farben unsere Wahrnehmung, Produktivität und alltäglichen Kaufentscheidungen beeinflussen.

Historisch passt der Tag übrigens hervorragend zu General Motors: Bereits in den 1920er-Jahren war GM der erste Autobauer, der eine eigene Design- und Farbabteilung (Art and Colour Section) gründete, um das damals übliche Einheits-Schwarz der Konkurrenz (wie beim Ford Modell T) durch eine bunte Farbpalette abzulösen.

Der geschichtliche Hintergrund: Die Farb- und Designrevolution vor 100 Jahren

Die Farb- und Designrevolution der 1920er-Jahre war einer der wichtigsten Wendepunkte der Automobilgeschichte. Sie transformierte das Auto von einem rein funktionalen, meist schwarzen Transportmittel hin zu einem bunten Statussymbol und Lifestyle-Produkt. Diese Revolution basierte auf dem perfekten Zusammenspiel von chemischer Innovation und einem radikalen Wandel im Konzernmarketing.

1. Das Problem: Das „Schwarze Diktat“ von Henry Ford

Bis weit in die 1920er-Jahre hinein dominierte auf den Straßen Monotonie. Berühmt ist das Zitat von Henry Ford über sein legendäres Modell T: „Jeder Kunde kann ein Auto in jeder gewünschten Farbe haben – solange es schwarz ist.“

Das war keine ästhetische Marotte, sondern eine reine Produktionsnotwendigkeit:

  • Der Zeitfaktor: Damalige Kutschen- und Öllacke brauchten bis zu sechs Wochen, um vollständig zu trocknen. Bei Fords revolutionärer Fließbandarbeit ab 1914 staute sich die Produktion, weil die Fabrikhallen schlicht mit trocknenden Autos überliefen.
  • Die Lösung Schwarz: Der einzige Lack, der damals halbwegs schnell (in wenigen Tagen) trocknete und billig war, war der auf Asphalt basierende, im Ofen eingebrannte schwarze Japan-Lack. Bunte Farben waren extrem teuren Luxuswagen vorbehalten, deren langwierige Handlackierung sich die Käufer leisten konnten.

2. Der chemische Durchbruch: DuPont und der „Duco“-Lack

Der Befreiungsschlag kam aus den Laboren des Chemiekonzerns DuPont (an dem General Motors damals große Anteile hielt). Nach dem Ersten Weltkrieg suchte DuPont nach zivilen Anwendungen für Nitrozellulose (Schießbaumwolle). Gemeinsam mit GM-Forschern entwickelte DuPont den bahnbrechenden „Duco“-Nitrozelluloselack, der 1923/1924 auf den Markt kam.

Farbenvielfalt: Plötzlich war es möglich, Pigmente in fast jeder erdenklichen Nuance stabil in den Lack einzubinden.

Trocknungszeit radikal verkürzt: Statt Wochen oder Tagen trocknete der neue Spritzlack in unter 15 Stunden.

Widerstandsfähigkeit: Der Lack war extrem robust gegen Hitze, Schlamm, Säuren und Straßenschmutz.

Der erste Serienwagen, der komplett im neuen Gewand erschien, war der 1924er Oakland (eine GM-Marke) in einem hellen Himmelblau – vermarktet als „True Blue Oakland“.

3. Die strategische Wende: Alfred P. Sloan und das Design

GM-Präsident Alfred P. Sloan Jr. erkannte sofort das enorme Potenzial dieser Technologie. Er sah, dass der Automarkt gesättigt war: Fast jeder, der ein einfaches, schwarzes Auto brauchte, hatte bereits ein Ford Modell T. Sloans neue Strategie hieß: Emotion statt bloßer Funktion.

Er wollte Autos verkaufen, die die Menschen begehrten, weil sie schön waren und den persönlichen Status ausdrückten.

  • Die Geburtsstunde des Autodesigns (1927): Sloan gründete die „Art and Colour Section“ bei General Motors. Es war das weltweit erste eigenständige Designstudio eines großen Automobilherstellers.
  • Harley Earl übernimmt das Steuer: Als Leiter engagierte er den visionären Designer Harley Earl, fer zuvor in Hollywood Luxuskarossen für Filmstars maßgeschneidert hatte. Earl brachte geschwungene Formen, zweifarbige Lackierungen und fließende Linien in die Massenproduktion. Das erste Meisterwerk dieser Abteilung war der 1927 Cadillac LaSalle, der als erstes von Designern gestaltete Serienauto gilt.

Das Ergebnis der Revolution

Die Kombination aus bunten Farben und moderner Formgebung überforderte den Konkurrenten Ford völlig. Henry Ford musste 1927 die Produktion des veralteten Modells T für Monate stoppen, um seine Fabriken unter riesigen Verlusten für den Nachfolger (das farbige Modell A) umzurüsten.

General Motors überholte Ford Ende der 1920er-Jahre als Marktführer. Seit dieser Ära ist das Design und die Farbwahl eines Autos genauso wichtig für den Verkaufserfolg wie die verbaute Technik unter der Motorhaube.