Zwischen Termindruck und Sternenhimmel: Warum ein Sommerabend im Kloster St. Marienstern bei Bautzen mehr sein kann als nur ein Ausflug
Es ist Freitagabend. Der Kalender ist endlich leer. Zumindest auf dem Bildschirm. Das Smartphone liegt neben Ihnen auf dem Tisch. Es vibriert noch einmal. Eine E-Mail, die eigentlich bis Montag warten könnte. Eine Nachricht aus dem Team. Eine Terminanfrage für die kommende Woche.
Sie werfen einen kurzen Blick darauf. Nur ganz kurz. Doch während Ihre Gedanken schon wieder um Projekte, Zahlen und Entscheidungen kreisen, fällt Ihr Blick aus dem Fenster. Die Abendsonne taucht den Himmel so langsam in warme Gold- und Orangetöne. Irgendwo zwitschern Vögel, und für einen Moment wird Ihnen bewusst, wie selten Sie solche Augenblicke in den vergangenen Monaten wirklich wahrgenommen haben.
Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl: Der Alltag läuft. Beruflich funktioniert alles. Verantwortung gehört längst zu Ihrem Leben. Entscheidungen treffen Sie oft innerhalb weniger Minuten, Termine reihen sich aneinander und selbst am Wochenende fällt es schwer, wirklich abzuschalten. Nicht, weil Sie Ihren Beruf nicht mögen, sondern weil dauerhafte Anspannung irgendwann ihren Preis fordert.
Was viele Führungskräfte, Unternehmer und Selbstständige erleben, beschreibt die Psychologie seit Jahren erstaunlich präzise: Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, rund um die Uhr Höchstleistungen zu erbringen. Konzentration braucht Pausen. Kreativität entsteht nicht unter Dauerstress. Und echte Erholung beginnt meist dort, wo wir aufhören, ständig erreichbar zu sein.
Vielleicht brauchen Sie deshalb gar keinen dreiwöchigen Urlaub auf einer fernen Insel. Vielleicht genügt ein einziger Abend. Ein Abend ohne Eile. Ohne Termindruck. Ohne den Anspruch, möglichst viel erleben zu müssen. Ein Abend, an dem Sie einfach nur gehen, schauen, staunen und wieder einmal tief durchatmen.
Genauso ein Abend erwartet Sie wenige Kilometer westlich von Bautzen. Dort, wo sich seit fast acht Jahrhunderten Menschen auf ganz unterschiedliche Weise auf die Suche nach Ruhe begeben: Im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau, dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin. Und dort findet jedes Jahr eine Veranstaltung statt, die sich kaum mit anderen Sommerfesten vergleichen lässt. Die Gartennacht „Im Schein von 1.000 Lichtern“.

Manche Veranstaltungen besucht man. Diese bleibt im Herzen.
Die meisten Sommerveranstaltungen ähneln sich. Es gibt Bühnen, Musik, Essen, viele Menschen. Doch schon nach einigen Tagen sind die Erinnerungen schon wiederverschwommen.
Aber manchmal geschieht etwas anderes. Man steigt ins Auto, fährt nach Hause – und merkt auf halber Strecke, dass man ungewöhnlich ruhig geworden ist. Nicht müde, nicht erschöpft, sondern angenehm gelassen. So fühle ich mich, wenn ich in den Ort meiner Kindheit fahre, das Kloster und seine Veranstaltungen besuche. Und genau das berichten viele Besucher der Gartennacht.
Nicht nur die spektakuläre Feuerwerke oder riesige Shows bleiben ihnen im Gedächtnis, sondern auch die kleinen Augenblicke. Das flackernde Licht der Kerzen, das sich in den historischen Klosterfenstern spiegelt. Der Duft der verschiedensten Kräuter, die dort angebaut werden und der blühender Rosen, der mit der warmen Sommerluft durch den Garten zieht. Leise Musik, die nicht den Garten beherrscht, sondern ihn begleitet. Das Lächeln eines Menschen, den man gar nicht kennt. Und plötzlich geschieht etwas, das im Alltag nur noch selten vorkommt. Niemand schaut auf die Uhr, die Besucher kommen zur Ruhe und Gelassenheit.
Warum ausgerechnet ein Klostergarten so gut tut
Wer das erste Mal das Gelände des Klosters St. Marienstern betritt, spürt schnell, dass dieser Ort anders ist. Er ist nicht spektakulär, nicht laut und auch nicht künstlich inszeniert. Seine Wirkung entfaltet sich langsam. Vielleicht liegt das daran, dass Zisterzienserklöster niemals zufällig entstanden. Als der Orden im 12. Jahrhundert begann, neue Klöster zu gründen, suchten die Mönche und später auch die Zisterzienserinnen bewusst Orte fern vom Lärm der Städte. Wasser spielte eine wichtige Rolle. Fruchtbare Böden ebenso. Vor allem aber sollte die Landschaft Menschen helfen, zur Ruhe zu kommen.
Die Natur war nie bloße Kulisse. Sie war Teil des klösterlichen Lebens. Gärten dienten nicht allein der Versorgung mit Gemüse und Heilpflanzen. Sie waren Orte der Stille, der Meditation und des bewussten Wahrnehmens. Wer langsam durch einen Garten geht, verändert fast unmerklich sein Tempo – äußerlich wie innerlich.
Heute würden Psychologen von einer Aufmerksamkeitsregeneration sprechen. Die Umweltpsychologie beschreibt seit Jahrzehnten, wie natürliche Umgebungen helfen können, mentale Erschöpfung abzubauen. Pflanzen, Wasser, Vogelstimmen und organische Formen beanspruchen unsere Aufmerksamkeit auf sanfte Weise. An Marienstern zieht das klare Flüßchen „Klosterwasser“ vorbei, und im nahegelegenen Naturpark „Lippe“ laden auch noch mehrere Teiche zum Verweilen ein. Das Gehirn muss nicht permanent filtern, bewerten oder reagieren. Es darf einfach beobachten. Vielleicht erklärt genau das, warum viele Besucher der Gartennacht den Abend als so wohltuend empfinden, obwohl sie stundenlang unterwegs sind. Nicht Aktivität macht uns müde. Dauerhafte Reizüberflutung tut es. Der Klostergarten bietet das Gegenteil.
Eine fast 800-jährige Geschichte, die bis heute lebendig ist
Wer heute durch das Kloster St. Marienstern spaziert, bewegt sich auf historischem Boden. Gegründet wurde das Zisterzienserinnenkloster im Jahr 1248. Es gehört damit zu den ältesten Frauenklöstern Deutschlands, die bis heute ohne Unterbrechung bestehen. Kriege, Brände, politische Umbrüche und gesellschaftliche Veränderungen – all das hat das Kloster erlebt und überstanden. Als das Kloster im Jahr 1248 gegründet wurde, war Europa ein völlig anderes. Seitdem entstanden Königreiche und verschwanden wieder. Handelswege veränderten sich. Kriege zogen durch das Land. Die Reformation veränderte den Glauben. Zwei Weltkriege erschütterten den Kontinent. Die DDR entstand und verschwand wieder – Das Kloster blieb.
Diese Kontinuität spürt man. Sie beeindruckt viele Besucher mehr als jede Jahreszahl. Denn sie zeigt, dass manche Orte Krisen überdauern können, weil sie einen festen inneren Kern besitzen. Gerade in einer Zeit, in der sich unsere Welt immer schneller verändert, wirkt diese Beständigkeit beinahe beruhigend.

Der Sommerabend, auf den viele Menschen jedes Jahr warten
Einmal im Jahr verändert sich die Stimmung im Klostergarten auf besondere Weise. Nicht, weil der Garten plötzlich ein anderer wäre, sondern weil das Licht ihn verwandelt. Wenn die Sonne langsam hinter den alten Baumkronen verschwindet, beginnt die Gartennacht „Im Schein von 1.000 Lichtern“. Der Übergang vom Tag in die Nacht gehört zu den eindrucksvollsten Momenten der Veranstaltung.
Bei Einbruch der Dunkelheit werden unzählige Kerzen im gesamten Garten entzündet. Kleine Flammen markieren Wege, säumen Beete und spiegeln sich in Fenstern, Wasserflächen und historischen Mauern.

Wenn die Dämmerung den Garten übernimmt
Es gibt einen Moment, auf den viele Stammgäste jedes Jahr warten. Nicht die Eröffnung, nicht den ersten Programmpunkt und auch nicht einmal die Musik. Es ist dieser kurze Augenblick zwischen Tag und Nacht. Die Sonne ist gerade hinter den Baumkronen des „Lippe“-Parks verschwunden. Der Himmel trägt noch einen Hauch von Blau, während sich am Horizont bereits die ersten warmen Orange- und Rosatöne verabschieden. Die Gespräche werden leiser. Menschen bleiben stehen, als hätten sie sich unbewusst verabredet. Dann beginnt etwas fast Magisches.
Nach und nach entzünden Helfer hunderte kleine Kerzen. Erst vereinzelt. Dann immer mehr. Ein Weg beginnt zu leuchten. Wenig später folgen die nächsten Gartenbereiche. Innerhalb kurzer Zeit entsteht aus unzähligen kleinen Flammen ein Lichtermeer, das den historischen Klostergarten vollständig verändert. Es sind aber nicht einfach nur aufgestellte Kerzen, die die Besucher faszinieren. Mit den farbigen Kerzen werden bunte Bilder gezeichnet.
Es entstehen Sagengestalten, berühmte Gebäude, bekannte Logos, Ornamente, Kinderfiguren, Ansichten. Lassen Sie sich überraschen.


Die viele Besucher können sich nicht sattsehen. Sie fotografieren und posten gleich in Social Media. Andere stecken das Smartphone bewusst wieder ein. Weil manche Erinnerungen im Herzen besser aufgehoben sind als in einer Bildergalerie. Die Gartennacht lebt nicht von einem einzigen Höhepunkt. Sie lebt von vielen kleinen Momenten,
Musik, die den Garten begleitet – statt ihn zu übertönen
Ein weiterer Grund für die besondere Atmosphäre liegt in der zurückhaltenden Gestaltung des Programms. Die Musik steht nicht im Mittelpunkt. Sie begleitet den Abend. Mal erklingen klassische Melodien zwischen alten Linden. Dann wieder hört man sanfte Instrumentalmusik oder Chorgesang auf der Bühne. Die Klänge mischen sich mit Vogelstimmen, dem Rascheln der Blätter und dem leisen Murmeln der Besucher. Gerade diese Zurückhaltung beruhigt Körper, Geist und Seele.
Viele Veranstaltungen möchten ihre Gäste möglichst permanent unterhalten. Die Gartennacht geht einen anderen Weg. Sie schafft Räume. Räume zum Zuhören, zum Staunen, zum Innehalten. Und manchmal ist genau das die größte Qualität.

„Im Schein von 1.000 Lichtern“ am 18. Juli 2026 – Das Programm
Schon bevor die Dämmerung einsetzt, beginnt ein abwechslungsreicher Sommerabend im Klostergarten. Die Besucher erwartet ein stimmungsvolles Kulturprogramm, bevor nach Sonnenuntergang das eigentliche Highlight beginnt: Gemeinsam mit den sogenannten „Glühwürmchen“ werden tausende Kerzen entzündet und verwandeln den Garten in ein faszinierendes Lichtermeer.
Zum Programm gehören:
- Live-Musik
- Tanzaufführungen
- Artistik
- Feuershow
- gemeinsames Entzünden der Kerzen
- Spaziergänge durch den illuminierten Klostergarten


Als Programm-Highlights erleben Sie unter anderem
Thomas Majka
Der Zauberer und Mentalist begeistert mit verblüffenden Illusionen und interaktiven Kunststücken.
Duo Helena & Jan
Das Duo präsentiert gefühlvollen Gesang mit Klavierbegleitung und sorgt für eine ruhige, romantische Atmosphäre im Klostergarten.
Tanzgruppe „Łužičanska rapsodija“ („Lausitzer Rhapsodie“)
Die Nachwuchstänzerinnen und -tänzer des Sorbischen National-Ensembles zeigen schwungvolle sorbische Tänze und bringen die regionale Kultur auf eindrucksvolle Weise auf die Bühne.
Las Fuegas
Mit Einbruch der Dunkelheit entführt die Feuershow „Las Fuegas“ die Besucher in eine magische Welt aus Flammen, Licht und Bewegung.
Weitere Informationen
- Beginn: 19:00 Uhr, Einlass: ab 18:00 Uhr, Ende: ca. 24:00 Uhr
- Buchen Sie Ihr Ticket frühzeitig unter
- https://events.vereinsticket.de/csb-miltitz/vt-veranstaltungen/494752
- Eintrittspreise: Erwachsene zahlen 12,00 €, Kinder bis 16 Jahre 2,00 €
- Anreise mit dem Auto
- Kloster St. Marienstern, Ćišinskistraße 35, 01920 Panschwitz-Kuckau
- ca. 20 Minuten ab Bautzen
- ca. 45 Minuten ab Dresden
- ca. 75 Minuten ab Görlitz
- Parkmöglichkeiten: Der Veranstalter weist darauf hin, dass Besucherparkplätze rund um das Veranstaltungsgelände zur Verfügung stehen. Erfahrungsgemäß werden diese ausgeschildert und von Einweisern betreut.
- Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Eine Anreise ist über Bautzen oder Kamenz mit Busverbindungen nach Panschwitz-Kuckau möglich. Da Fahrpläne saisonal angepasst werden können, empfiehlt sich vorab eine Verbindungsauskunft.
- Anreise mit dem Fahrrad: Der Klostergarten liegt in einer landschaftlich reizvollen Region der Oberlausitz und lässt sich gut mit einer Radtour verbinden. Wer den Besuch mit einem Tagesausflug kombiniert, findet in der Umgebung mehrere gut ausgebaute Radwege.
- Gastronomisches Angebot: Warm und kalte herzhafte und süßes Snacks aus der Region können beim Event erworben werden. Freuen Sie sich auf regionale Spezialitäten, kleine warme Speisen, Getränke, gemütliche Sitzmöglichkeiten im Garten. Die gastronomischen Angebote sind bewusst in das Veranstaltungskonzept integriert und laden dazu ein, den Abend ohne Eile zu genießen.
- Hinweise zur Barrierefreiheit: Das Gelände ist barrierefrei und leicht zugänglich. Nach den örtlichen Gegebenheiten können Besucher jedoch überwiegend befestigte Wege im Klostergarten nutzen. Einzelne Gartenbereiche sind naturbelassen. Für Besucher mit Rollstuhl oder Rollator empfiehlt sich auf jeden Fall eine kurze Rückfrage beim Veranstalter vor dem Besuch

Warum wir uns von Kerzenlicht so angezogen fühlen
Dass uns warmes Licht emotional anspricht, ist kein Zufall. Unser Gehirn verbindet flackerndes Licht seit Jahrtausenden mit Sicherheit. Lange bevor elektrisches Licht unseren Alltag bestimmte, waren Feuerstellen der Mittelpunkt jeder Gemeinschaft. Dort wurde gekocht, erzählt, gelacht und zur Ruhe gekommen. Diese tief verankerte Erfahrung trägt der Mensch bis heute in sich.
Moderne Forschungen zur Chronobiologie zeigen, dass warmes Licht unseren natürlichen Biorhythmus deutlich weniger belastet als kaltes, blaues Kunstlicht. Während Bildschirme und LED-Beleuchtung unser Gehirn in Alarmbereitschaft halten können, signalisiert Kerzenlicht: Der Tag neigt sich dem Ende entgegen. Genau deshalb fühlt sich ein Abend im Kerzenschein oft so entspannend an. Darin liegt wohl eines der Geheimnisse der Gartennacht. Obwohl sich viele Besucher auf dem Gelände befinden, entsteht keine Hektik. Niemand drängelt oder rennt von Attraktion zu Attraktion. Der Abend entwickelt seinen eigenen entspannten und entspannenden Rhythmus.
Ein Blick zurück – Warum Besucher immer wiederkommen
Als ein Programm-Highlight 2025 begeisterte Polarkreis 18 mit seinem berühmten Song „Allein, allein“ und eigens kreierten sorbischsprachigen Liedern die Besucher. Lichtinstallationen, Feuershow und Artistik sind ein Must-have der Gartennacht. Viele Besucher posteten sofort sozialen Medien die beeindruckenden Bilder.
Ein kurzer Originalton einer Besucherin oder eines Besuchers würde diesem Abschnitt zusätzliche Authentizität verleihen.
Wer sich mit Menschen unterhält, die die Gartennacht bereits erlebt haben, hört erstaunlichselten dieselben Antworten. Die einen erzählen begeistert von den tausenden Lichtern. Andere schwärmen von einem kleinen Musikensemble, das sie sehr gern mögen. Wieder andere erinnern sich an den Duft des Lavendels und vieler anderer Kräuter, an ein Glas Wein unter alten Bäumen oder an ein Gespräch, das sie noch Wochen später beschäftigte. Gerade das macht die Veranstaltung so besonders. Jeder sieht und erlebt sie anders. Und dennoch berichten fast alle Besucher von einem ähnlichen Gefühl – dem der Ruhe, der Leichtigkeit und Entschleunigung.
Die Gartennacht bietet keine äußerst spektakuläre Hauptattraktion, die alle gleichzeitig erleben müssen. Vielmehr entstehen hunderte kleiner persönlicher Momente. Vielleicht bleiben Sie zehn Minuten an einem Rosenbeet stehen, weil das Licht dort besonders schön fällt. Vielleicht entdecken Sie eine Bank mit Blick auf die historische Klosterfassade. Oder sie genießen einfach nur die Stille. Genau diese scheinbar unscheinbaren Augenblicke, die später in Erinnerung bleiben.

Ein Kloster, das weit mehr ist als historische Architektur
Viele Gäste kommen wegen der Gartennacht. Doch spätestens am nächsten Morgen stellen sie fest, dass sie eigentlich viel zu früh wieder nach Hause fahren wollten. Das Kloster St. Marienstern ist kein Ort, den man in einer Stunde „besichtigt“. Es ist ein Ort, den man erlebt. Und je mehr Zeit Sie mitbringen, desto mehr Facetten entdecken Sie.
IEs ist ein lebendiger Ort. Heute leben hier noch 10 Ordensschwestern, die nach den Regeln des heiligen Benedikt ihren Alltag gestalten. Gebet, Arbeit und Gemeinschaft bilden den Rhythmus ihres Lebens – ein Gegenentwurf zu einer Welt, die oft von Beschleunigung geprägt ist.
Gerade das macht den Reiz eines Besuches aus. Das Kloster ist keine reine historische Kulisse. Es ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart selbstverständlich miteinander verbunden sind.
Im Jahr 1998 war das Kloster St. Marienstern Schauplatz der 1. Sächsischen Landesausstellung „Zeit und Ewigkeit – 128 Tage«. Damals öffnete das Kloster zum ersten Mal seine Tore und gewährte Blicke ins Innere, das zuvor für die Öffentlichkeit immer unzugänglich war, und auf seine ungeahnten Schätze. Seitdem zeigt das Kloster seine beeindruckende Schatzkammer, die regelmäßig besucht werden kann.

Der Klostergarten – eine Einladung zum langsamen Gehen
Zwischen alten Mauern blühen Rosen, im Kräutergarten wachsen Pflanzen, deren Heilkraft schon im Mittelalter geschätzt wurde. Wer aufmerksam durch den Garten spaziert, erkennt schnell, dass hier nichts zufällig angelegt wurde. Wege führen nicht einfach von A nach B. Sie lenken den Blick. Mal auf historische Gebäude. Mal auf alte Bäume. Mal auf ein Blumenbeet, dessen Farben sich im Laufe der Jahreszeiten verändern. Die Rosen stehen dabei oft im Mittelpunkt. Ihr Duft begleitet Besucher schon von weitem. Dazwischen wachsen Stauden, Heilpflanzen und Kräuter, die teilweise seit Jahrhunderten in Klostergärten kultiviert werden.
Ein Spaziergang wird hier fast automatisch langsamer. Nicht weil der Weg anstrengend wäre. Sondern weil es ständig etwas zu entdecken gibt.
Der Kräutergarten – altes Wissen neu entdecken
Klöster waren über viele Jahrhunderte Wissenszentren Europas. Nicht nur Bücher wurden hier bewahrt. Auch das Wissen über Heilpflanzen, Ernährung und Naturheilkunde wurde von Generation zu Generation weitergegeben.
Das Ernährungs- und Kräuterzentrum https://www.ekz-marienstern.de/ widmet sich an zwei Standorten spannenden Themen rund um gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit, Natur und Umwelt. Am Standort Kinder- und Jugendfarm in Hoyerswerda können Kinder gefährdeten Haus-, Heim- und Nutztieren begegnen. Der lKlostergarten in Panschwitz-Kuckau pflegt und präsentiert seinen Besuchern die Mannigfaltigkeite vonn Wild-, Würz- und Heilpflanzen, ihren Nutzen und ihre Verwendung. Beim Besuch begegnen Ihnen Pflanzen, deren Namen viele aus Großmutters Garten kennen: Salbei, Melisse, Ysop, Thymian oder Lavendel. Heute erleben Heilkräuter zurecht eine kleine Renaissance. Viele Menschen interessieren sich wieder für natürliche Heilmethoden und traditionelle Anwendungen. Ein Rundgang durch den Kräutergarten zeigt eindrucksvoll, wie aktuell jahrhundertealtes Wissen sein kann.
Die Stiftsgärtnerei – wo Gartenleidenschaft gelebt wird
Ein oft übersehener Schatz des Klosters ist die traditionsreiche Stiftsgärtnerei. Die Stiftsgärtnerei kenne ich schon seit meiner Kindertagen. Meine Großmutter hatte mich regelmäßig mitgenommen, wenn sie dort etwas für unseren Garten einkaufen wollte. Bis heute wird in der Stiftsgärtnerei in mit sehr großer Sorgfalt gearbeitet. Hier wird nicht nur gepflegt und gestaltet – hier wird Gartenkultur gelebt. Je nach Jahreszeit finden Besucher eine beeindruckende Auswahl an Blumen, Stauden, Kräutern und saisonalen Pflanzen. Wer selbst gärtnert, nimmt häufig nicht nur neue Ideen mit nach Hause, sondern auch die eine oder andere Pflanze als Erinnerung an diesen besonderen Ort.
Und während Besucher durch die Gartenanlagen schlendern, geht das klösterliche Leben seinen ruhigen Gang. Genau das die eigentliche Besonderheit dieses Ortes. Er versucht nicht, Eindruck zu machen. Er ist einfach da. Seit fast achthundert Jahren.
Gerade deshalb lohnt es sich, den Besuch der Gartennacht mit einem Aufenthalt am nächsten Tag zu verbinden. Im Tageslicht entdecken Sie Details, die Ihnen am Abend vielleicht verborgen geblieben sind.
Die Oberlausitz – eine Region, die entschleunigt
Wer aus größeren Städten nach Panschwitz-Kuckau und ins Kloster St. Marienstern anreist, bemerkt oft schon unterwegs eine Veränderung. Die Straßen werden ruhiger. Die Landschaft weiter. Dörfer schmiegen sich zwischen Felder, Wälder und sanfte Hügel. Die Oberlausitz besitzt keine spektakulären Alpenpanoramen und keine kilometerlangen Küsten. Aber nicht nur im Kloster St. Marienstern ist die Ruhe zu Hause. Die gesamte Oberlausitz, die das Kloster umgibt, beeindruckt mit ihren Landschaften, Orten und Gebirgen, mit ihren See, Flüssen und Teichen, Wiesen und Wäldern. Daher gilt sie auch als Geheimtipp für Urlauber, Ausflügler und Wanderer.
Ihr Reiz liegt auch in ihrer Authentizität. Hier scheint vieles noch etwas langsamer zu gehen. Die Menschen grüßen einander. Traditionen werden gepflegt. Alte Handwerkskunst ist vielerorts noch lebendig. Gerade diese Gelassenheit macht die Region für viele Besucher so attraktiv. Sie kommen nicht hierher, um möglichst viele Sehenswürdigkeiten an einem Tag abzuhaken. Sie kommt, um durchzuatmen – Ich auch.
Und genau deshalb passt die Gartennacht so perfekt in diese Landschaft.

Die Sorben – Europas kleines großes Kulturerbe
Wer sich näher mit der Oberlausitz beschäftigt, entdeckt schnell, hier begegnen sich seit Jahrhunderten unterschiedliche Kulturen. Besonders sichtbar wird dies an der sorbischen Kultur, die das Leben in der Region bis heute prägt. Straßenschilder sind zweisprachig. Traditionen werden gepflegt. Feste besitzen oft eine jahrhundertealte Geschichte. Vielleicht haben Sie den Begriff Sorben schon einmal gehört. Ich selbst bin Sorbin.
Viele wissen jedoch erstaunlich wenig über dieses Volk, obwohl seine Geschichte untrennbar mit der Oberlausitz verbunden ist. Die Sorben sind eine anerkannte nationale Minderheit mit eigener Sprache, eigenen Bräuchen und einer reichen kulturellen Tradition. In vielen Orten rund um Bautzen und Panschwitz-Kuckau prägen sie bis heute das öffentliche Leben. Das zeigt sich nicht nur auf zweisprachigen Ortsschildern, sondern auch in Festen, Trachten, Liedern und einer starken Verbundenheit mit unserer Heimat.
Wie auch meine Familie so sprechen viele Familien bis heute Sorbisch – eine westslawische Sprache, die zu den ältesten lebendigen Kulturen Mitteleuropas gehört. Gerade Besucher, die sich für Geschichte interessieren, erleben hier etwas Besonderes. Die Oberlausitz erzählt keine Geschichte aus Büchern. Sie lebt sie.
Meine Großmütter und eine meiner Tanten trugen die katholische sorbische Tracht seit ihrer Jugend ihr gesamtes Leben. Leider ist diese Tradition in den vergangenen rund 60 Jahren praktischen Erwägungen des modernen Lebens gewichen, so dass immer weniger Frauen diese Tracht ihr Leben lang trugen. Während meiner Kinder- und Jugendzeit gehörten Frauen in Tracht zum alltäglichen Ortsbild. Heute leben in der Region zwischen Kamenz und Bautzen kaum noch eine Handvoll Frauen, die katholische sorbische Tracht ständig tragen. Frauen in Tracht sieht man heute nur noch zu besonderen Anlässen und bei Festen wie Hochzeiten und Taufen.
Gerade das Kloster St. Marienstern spielt in dieser Geschichte eine wichtige Rolle. Über Jahrhunderte war es nicht nur ein geistliches Zentrum, sondern auch ein Ort, an dem die sorbische Kultur bewahrt und gefördert wurde. Diese enge Verbindung ist bis heute spürbar und verleiht einem Besuch eine zusätzliche kulturelle Dimension. Zum Beispiel am Ostersonntag, wenn in manchen Orten der katholischen Lausitz, so auch im Ort Panschwitz-Kuckau und im Klosterhof, die „Osterreiter“ die Auferstehung Christi verkünden.
Wer sich darauf einlässt, entdeckt nicht nur eine wunderschöne Landschaft, sondern auch eine Region mit einer außergewöhnlich starken Identität. Übrigens, die Gartennacht „Im Schein von 1.000 Lichtern“ heißt auf Sorbisch Zahrodowa nóc “W sćinje 1.000 swěčkow“.
Bautzen – Die Stadt, in der man automatisch nach oben schaut
Es gibt Städte, die beeindrucken mit Größe. Andere mit spektakulärer Architektur. Und dann gibt es Orte wie Bautzen. Nicht nur die Kreisstadt, sondern insbesondere eine Stadt, die sich ihren gesamten Charme nicht auf den ersten Blick preisgibt. Nicht umsonst gehört Bautzen den schönsten Altstädten Sachsens. Sie möchte entdeckt werden. Langsam, am besten zu Fuß, gern ohne festen Plan.
Schon beim ersten Spaziergang durch Bautzen fällt etwas auf: Man schaut ständig nach oben. Mal erhebt sich vor Ihnen einer der zahlreichen Türme, die Bautzen den Beinamen „Stadt der Türme“ eingebracht haben. Dann öffnet sich plötzlich der Blick auf eine historische Häuserzeile, deren Fassaden von Jahrhunderten erzählen. Hinter einer kleinen Gasse verbirgt sich ein romantischer Innenhof. Wenige Schritte später stehen Sie auf einer Aussichtsterrasse und blicken über die Dächer der Altstadt bis weit in die sanfte Hügellandschaft der Oberlausitz.
Bautzen ist keine Stadt, die laut um Aufmerksamkeit wirbt. Sie gewinnt ihre Besucher auf leise Weise, fast so, wie die Gartennacht selbst. Deshalb harmonieren beide Orte so wunderbar miteinander
Eine Stadt mit zwei Herzen
Wer nach Bautzen kommt, entdeckt schnell, dass diese Stadt mehr ist als eine der schönsten Altstädte Sachsens. Hier begegnen sich seit Jahrhunderten unterschiedliche Kulturen. Besonders sichtbar wird dies an der sorbischen Kultur, die das Leben in der Region bis heute prägt. Straßenschilder sind zweisprachig. Traditionen werden gepflegt. Feste besitzen oft eine jahrhundertealte Geschichte.
Wie auch meine Familie so sprechen viele Familien bis heute Sorbisch – eine westslawische Sprache, die zu den ältesten lebendigen Kulturen Mitteleuropas gehört. Gerade Besucher, die sich für Geschichte interessieren, erleben hier etwas Besonderes. Die Oberlausitz erzählt keine Geschichte aus Büchern. Sie lebt sie.
Bautzen ist viel mehr als Senf
Fragt man Menschen außerhalb Sachsens nach Bautzen, fällt häufig oft ein Begriff: Senf. Dabei wäre es ungefähr so, als würde man Paris ausschließlich mit Croissants verbinden. Ja, der berühmte Bautz’ner Senf gehört zur Stadt.
Aber Bautzen besitzt eine Geschichte, die weit darüber hinausreicht. Über tausend Jahre Stadtgeschichte haben eine beeindruckende Altstadt entstehen lassen, die zu den besterhaltenen historischen Stadtkernen Deutschlands zählt. Mehr als ein Dutzend Türme prägen das Stadtbild, während sich enge Gassen, kleine Plätze und liebevoll restaurierte Bürgerhäuser zu einem harmonischen Gesamtbild fügen.
Wer einfach losläuft, wird ständig mit … Anblicken belohnt. Hier ein schmiedeeisernes Ladenschild, dort eine kunstvoll verzierte Haustür oder ein kleiner Innenhof, in dem Rosen an alten Mauern emporwachsen. Besonders beeindruckend ist aber der Blick über das Spreetal, von der Altstadt oder von der Friedensbrücke aus. Bautzen überrascht. Immer wieder.
Der schönste Weg durch Bautzen beginnt ohne Stadtplan
Natürlich könnten Sie einen Stadtplan zur Hand nehmen. Sie könnten Sehenswürdigkeit für Sehenswürdigkeit abhaken. Doch vielleicht ist genau das die falsche Herangehensweise. Bautzen möchte erlaufen werden. Lassen Sie sich treiben. Beginnen Sie zum Beispiel am Hauptmarkt. Nehmen Sie die erste kleine Gasse, die Ihnen gefällt. Bleiben Sie stehen, wenn Ihnen eine Fassade ins Auge fällt. Setzen Sie sich in ein Straßencafé.
Beobachten Sie das Stadtleben, zum Beispiel am Zentrum am Kornmarkt. Viele der schönsten Erinnerungen entstehen nicht an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten, sondern irgendwo dazwischen. Vielleicht auf einer Bank mit Blick über die Dächer. Vergleichen Sie die verschieden Baustile und nehmen Sie ihren Kontrast wahr. Vielleicht in einer kleinen Buchhandlung, etwa der Sorbischen Buchhandlung, in der Sie sorbischsprachige Bücher aber auch deutsch- und anderssprachige über die Sorben, ihre Geschichte und Heimat finden können.
Oder ist ein Stück echter sorbischer Eierschecke und eine gute Tasse Kaffee gefällig? Gerade Menschen, deren Alltag durchgetaktet ist, genießen diese Form des Reisens besonders. Ohne Zeitplan und ohne „Muss“. Nur mit Neugier.
Eine Stadtführung lohnt sich auch – gerade beim ersten Besuch
Es gibt Städte, die erschließen sich sofort. Es gibt Städte, deren Geschichten hinter Mauern, Toren und Fassaden verborgen liegen. Bautzen gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Wer die Stadt nur auf eigene Faust erkundet, entdeckt ihre Schönheit. Wer sie gemeinsam mit einem erfahrenen Stadtführer erlebt, versteht ihren Charakter. Warum besitzt Bautzen so viele Türme? Welche Rolle spielte die Stadt im Mittelalter? Weshalb gibt es hier eine „Simultankirche“? Und was ist das überhaupt? Welche Legenden erzählen sich die Bautzener bis heute? Antworten auf diese Fragen machen aus einem Spaziergang eine Reise durch fast tausend Jahre Geschichte.
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Kulinarische Entdeckungen zwischen Tradition und Moderne
Auch kulinarisch hat Bautzen, außer Senf, weit mehr zu bieten, als viele vermuten. Die Oberlausitz ist bekannt für ihre bodenständige sorbische Küche, die regionale Zutaten mit jahrhundertealten Rezepten verbindet. In den Gasthäusern der Region finden sich Klassiker wie Lausitzer Sauerbraten, Wildgerichte aus heimischen Wäldern oder Quarkkeulchen, die viele Besucher noch aus ihrer Kindheit kennen. Und natürlich das berühmte Festtagsmenü bestehend aus „Sorbischer Hochzeitssuppe“ (die nicht nur bei Hochzeiten gereicht wird), als Vorspeise Rindfleisch mit Meerrettich und als Hauptgang, verschiedene Fleischsorten und Fisch mit Kartoffeln, auch Klößen, verschiedenen Gemüsen und mit Champignons. Zum Nachtisch gibt es meist Eis.
Gleichzeitig hat sich in Bautzen eine lebendige Gastronomieszene entwickelt. Moderne Cafés, kleine Weinbars und Restaurants interpretieren regionale Küche neu, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. Mein Tipp: Planen Sie genügend Zeit für eine Einkehr ein.
Die typische soribische Küche lernen Sie im Restaurant „Wjelbik, https://www.wjelbik.de/sorbisches-restaurant-lausitz. Gehen Sie bald hin, denn in der Zeit vom 28.07. bis 08.08.2026 hat das Restaurent Betriebsferien.
Nicht zwischen zwei Sehenswürdigkeiten, sondern bewusst als Teil Ihres Ausflugs. Gute Gespräche, regionale Spezialitäten und ein entschleunigtes Tempo gehören genauso zu einem gelungenen Wochenende wie die Sehenswürdigkeiten selbst.
Aus einem Abend wird ein Wochenende
Vielleicht war Ihr ursprünglicher Plan ganz einfach. Ein Abend bei der Gartennacht. Ein schöner Spaziergang. Und danach wieder nach Hause fahren. Doch vielleicht lohnt es sich, diesen Plan noch einmal zu überdenken. Bleiben Sie über Nacht. Lassen Sie den Abend in Ruhe ausklingen. Beginnen Sie den nächsten Morgen mit einem Frühstück in der Oberlausitz. Besuchen Sie noch einmal den Klostergarten bei Tageslicht. Schlendern Sie anschließend durch das 17 km entfernte Bautzen.
Entdecken Sie die sorbische Kultur, in Bautzen oder im Umland. Genießen Sie regionale Küche. Und fahren Sie erst am Nachmittag zurück. Sie werden überrascht sein, wie viel Erholung manchmal in weniger als 48 Stunden steckt. Nicht jede Auszeit muss zwei Wochen dauern. Manchmal genügt ein Wochenende. Wenn der Ort stimmt.
Fünf Gründe, warum sich der Besuch der Gartennacht in der Oberlausitz auf jeden Fall lohnt – auch wenn Sie kein Gartenfan sind
Vielleicht denken Sie gerade: „Ein Garten? So spannend kann das doch nicht sein.“ Das ist verständlich. Schließlich geht es bei der Gartennacht nicht um eine Gartenschau im klassischen Sinne. Wer nur Blumenbeete erwartet, wird überrascht sein. Denn eigentlich besuchen Sie keinen Garten – Sie erleben einen Ort, der mit Licht, Geschichte, Musik und Atmosphäre spielt.
1. Weil Sie dort nichts müssen
Der moderne Alltag ist voller Erwartungen. Beruflich sollen Sie funktionieren, privat präsent sein und in Ihrer Freizeit möglichst viele Erlebnisse sammeln. Die Gartennacht kennt diesen Druck nicht.
Es gibt keine festgelegte Route, die Sie unbedingt gehen müssen. Keine Show, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Kein vorgeschriebenes Programm, das Sie im Minutentakt von einer Station zur nächsten schickt. Sie dürfen einfach da sein. Sie dürfen einfach sein. Genau das ist es, was sich für viele Besucher ungewohnt gut anfühlt.
2. Weil Kerzenlicht etwas mit Menschen macht
Psychologen sprechen von emotionaler Atmosphäre. Architekten sprechen von Lichtwirkung. Die meisten Besucher sprechen schlicht von einem wunderschönen Abend.
Warmes Licht verändert unsere Wahrnehmung. Räume wirken weicher. Gesichter freundlicher. Gespräche persönlicher. Vielleicht erklärt das, warum viele Menschen noch Wochen später von genau diesem Abend erzählen.
3. Weil hier Geschichte noch lebendig ist
Museen zeigen Vergangenheit. Das Kloster St. Marienstern lebt sie. Während Sie zwischen jahrhundertealten Mauern spazieren, begegnen Sie keinem nachgebauten Mittelalter. Sie bewegen sich an einem Ort, der seit fast achthundert Jahren nahezu ununterbrochen genutzt wird. Das verändert den Blick, denn Geschichte wird hier nicht erklärt. Sie wird erlebt.
4. Weil die Oberlausitz unterschätzt wird
Deutschland besitzt Regionen, über die jeder spricht. Und Regionen, die ihre Schönheit ganz selbstverständlich bewahren. Zu diesen gehört die Oberlausitz mit ihren sanfte Landschaften, ihrer Natur, mit ihren historische Städten und malerischen Dörfern. Mit ihrer lebendigen sorbischen Kultur und typischen Gastfreundschaft. Mit der Ruhe, die sie bietet. Wer einmal hier war, versteht schnell, warum viele Besucher immer wieder zurückkehren.
5. Weil Erinnerungen kostbarer sind als Termine
Vielleicht ist das der wichtigste Grund. In zehn Jahren werden Sie sich wahrscheinlich nicht mehr an die meisten Besprechungen erinnern. Weder an den vollen Posteingang noch an die hundertste Videokonferenz, noch nicht einmal an ihre Social Media Posts, die sie 2026 geschrieben haben.
Aber vielleicht erinnern Sie sich an einen warmen Sommerabend. An tausend kleine Lichter. An einen Spaziergang mit einem Menschen, der Ihnen wichtig ist. An einen Moment, in dem Sie einfach glücklich und in Ruhe bei sich waren.
Praktische Tipps für Ihren Besuch
Damit Ihr Ausflug möglichst entspannt verläuft, lohnt sich eine kleine Vorbereitung.
Planen Sie ausreichend Zeit ein
Viele Gäste unterschätzen, wie lange sie auf dem Gelände bleiben. Wer nur zwei Stunden einplant, stellt oft fest, dass daraus ganz selbstverständlich vier oder fünf Stunden werden.
Kommen Sie möglichst früh
So erleben Sie den Garten zunächst bei Tageslicht und können anschließend beobachten, wie sich die Atmosphäre mit jeder Minute verändert.
Gerade dieser Übergang gehört zu den schönsten Momenten des gesamten Abends.
Buchen Sie Ihre Tickets schon vorab online: https://events.vereinsticket.de/csb-miltitz/vt-veranstaltungen/4947526
Ich habe schon Interessenten gesehen wie sie an der Abendkasse abgewiesen wurden, weil die Gartennacht schon restlos ausverkauft war und die mit traurigen Gesichtern wieder abreisen mussten.
Bequeme Schuhe sind Gold wert
Sie werden wahrscheinlich mehr auf den Beinen sein und laufen, als Sie vermuten. Nicht weil die Wege lang wären. Sondern weil Sie immer wieder kleine Details entdecken möchten.
Kamera oder Smartphone?
Natürlich entstehen an diesem Abend wunderschöne Fotos. Mein persönlicher Rat lautet dennoch: Machen Sie einige Bilder und stecken Sie dann das Smartphone wieder ein. Nicht jeder besondere Moment muss fotografiert werden. Manche Bilder wirken gerade deshalb so intensiv, weil wir sie vollständig erleben.
Bleiben Sie über Nacht
Die Gartennacht endet erst weit in der Nacht Warum also so spät noch nach Hause fahren? Nutzen Sie die Gelegenheit für ein entspanntes Wochenende in der Oberlausitz. Am nächsten Morgen zeigt sich das Kloster in einer völlig anderen Stimmung – ruhig, hell und beinahe meditativ. Besuchen Sie gern auch die sonntäglichen Gottesdienste in der Klosterkirche.

Persönliches Fazit
Während ich diesen Artikel geschrieben habe, musste ich mehrfach an einen Satz des sorbischen Dichters Jakub Bart Cisinski Rjana Luzica ist aber nicht von ihm
„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.“
Vielleicht gilt das auch für besondere Orte. Oft merken wir erst im Nachhinein, wie gut uns ein Abend getan hat. Nicht, weil dort etwas Außergewöhnliches passiert wäre, sondern weil uns ein Anlass dazu gebracht hat, dass wir für einige Stunden nicht ständig an morgen gedacht haben. Die Gartennacht „Im Schein von 1.000 Lichtern“ ist für mich deshalb weit mehr als eine Veranstaltung.
Sie ist für mich nicht nur ein Anlass für einen Besuch meiner alten Heimat mit Kindheitserinnerung. Sie ist auch eine Erinnerung daran, dass Schönheit häufig dort entsteht, wo Menschen mit Geduld, Hingabe und Respekt vor der Natur gestalten. Das Kloster St. Marienstern steht seit fast achthundert Jahren für genau diese Haltung. Vielleicht ist gerade das der Grund, weshalb sich Besucher dort so schnell willkommen fühlen.
Wenn Sie also im Sommer einen Ort suchen, an dem Sie nicht möglichst viel erleben, sondern bewusst zur Ruhe kommen möchten, dann sollten Sie sich den 18. Juli vormerken. Fahren Sie nicht nur wegen der Gartennacht. Bleiben Sie wegen der Oberlausitz. Entdecken Sie Bautzen. Lassen Sie sich auf die sorbische Kultur ein.
Gönnen Sie sich die Zeit, die im Alltag oft fehlt. Vielleicht nehmen Sie von diesem Wochenende keine spektakulären Souvenirs mit nach Hause. Aber sehr wahrscheinlich Erinnerungen. Und die sind bekanntlich unbezahlbar.
Fotos: Beate Paschke