Winterhüte für Damen & Herren: Achten Sie beim Kauf darauf
Ein guter Hut ist nicht nur ein stilvolles Accessoire, sondern auch ein funktionaler Begleiter für die kalte Jahreszeit. Gerade im Winter spielt das Material, die Form und die Verarbeitung eine entscheidende Rolle, damit der Hut nicht nur gut aussieht, sondern auch zuverlässig wärmt, schützt und zu den eigenen Outfits passt. Aber wie finde ich den passenden Winterhut? Was sollte beim Kauf eines Winterhutes beachtet werden , welches Material eigenet sich besonders? Woran erkenne ich gute Qualität?

Carina Kunth (links) mit Beate Paschke
Diese und weitere Fragen beantwortet uns Hut-Expertin Carina Kunth von „Der Hutladen“ in Leipzig in einem Interview:
Beate Paschke
Liebe Frau Kunth, schön, dass wir zu Ihnen kommen durften und Sie uns Wir wollten ein besonderes Thema aufgreifen, nämlich das Thema Winterhüte. Draußen ist es sehr kalt, das haben wir heute beide schon festgestellt. Da wäre es gut, wenn man etwas auf dem Kopf hat. Ich selber trage Sommerhüte, aber mit Winterhüten habe ich mich noch nicht beschäftigt und weiß gar nicht, worauf man achten sollte, wenn man einen Winterhut kauft. Deswegen meine Frage an Sie:
Was sollten Männer und Frauen beim Kauf eines Hutes speziell für die kalte Jahreszeit beachten?
Carina Kunth
Da spielen sehr viele Faktoren eine Rolle. Zunächst einmal muss er richtig passen. Dazu wird die Kopfweite korrekt vermessen werden. Das erledige ich für meine Kunden hier im Geschäft. Natürlich sollte der Hut zum Typ und zum Kleidungsstil passen. Es spielt eine Rolle, wie groß man ist, was für eine Statur man hat, welche Gesichtsform, Haarlänge und so weiter. Das sind einige Gesichtspunkte die dabei eine wichtige Rolle spielen. Auch der Zweck und der Anlass sollten mit einbezogen werden. Will ich es eher sportlich tragen oder lieber ein bisschen eleganter? Da muss man eine ganze Menge berücksichtigen.
Beate Paschke
Wie stelle ich fest, ob der Hut wirklich richtig passt? Sie sagen, Sie messen das aus, aber kann ich das auch selber? Woran merke ich das oder was empfehlen Sie?
Carina Kunth
Ein Hut sitzt grundsätzlich oberhalb vom Ohr, leicht im Hinterkopf eingezogen. Er sollte so auf dem Kopf sitzen, dass man das Gefühl hat, er sitzt fest, aber er darf auch nicht zu sehr drücken. Sonst kann es passieren, dass der Hut sich nach oben wieder aus dem Kopf herausarbeitet. Man sollte das Gefühl haben, dass man etwas auf dem Kopf trägt. Wenn er zu locker sitzt, dann hat man bei Herbststürmen, die manchmal so daherkommen, keine guten Chancen. Und ich möchte vermeiden, dass meine Kunden dem Hut hinterherrennen müssen.

Carina Kunth prüft den richtigen Sitz des neuen Hutes einer Kundin.
Beate Paschke
Ja, das wäre unangenehm. Dies hilft vielleicht ein bisschen für die Fitness, aber nicht für den Look. Sie sagten auch, der passende Hut hängt ab vom persönlichen Stil. Wie erleben Sie das bei Ihren Kunden? Kennen Ihre Kunden ihren persönlichen Stil gut? Wie können Sie da helfen?
Carina Kunth
Man kann ja nicht davon ausgehen, wenn ein Kunde zu mir ins Geschäft geht, dass das, was er gerade trägt, auch das ist, wozu der Hut passen soll. Generell frage ich dann natürlich nach, das ist ganz wichtig. Es kann ja auch sein, jemand kommt in Jeans und Turnschuhen ins Geschäft, sucht aber eher was Festliches. Vielleicht auch für die Festtage jetzt, für die Kirche. Da muss besprochen werden, zu welchem Outfit der Hut getragen werden soll.
Danach zeige ich, was dafür geeignet wäre. Der Kunde kann verschiedene Modelle aufprobieren und daraus wählen, worin er sich am wohlsten fühlt. Wenn man sich in einem Kleidungsstück, egal ob das jetzt Hut oder was anderes ist, nicht wohl fühlt, dann trägt man es nicht oder setzt man es halt nicht gern auf. Das wäre doch sehr schade.

Beate Paschke
Sie hatten auch das Stichwort Gesichtsform erwähnt. Gibt es da so einige grundlegende Tipps, welcher Hut zu welcher Gesichtsform passt?
Carina Kunth
Grundlegend sollte man mit einem etwas schmaleren Gesicht hat keine sehr ausladende Krempe tragen. Wenn man ein eher rundes Gesicht hat oder auch bei Männern mit viel Bart, empfehle ich die Krempe ein bisschen breiter zu wählen, damit die Proportionen gut stimmen. Auch die Schulterbreite und die Größe der Person spielen eine Rolle. Wenn man recht klein ist, sollte man ebenfalls keine zu breite Krempe wählen, sonst drückt der Hut gewissermaßen auf die Person und sie wirkt noch kleiner. Dann sagen die Leute vielleicht, wo will der Hut mit der Person hin?
Beate Paschke
Ja, stimmt. Sie sagen, die Statur spielt auch eine große Rolle. Welche?
Carina Kunth
Also kleinere Personen sollten eher eine Kopfbedeckung wählen, deren Dimensionen ein bisschen zarter sind. Große, schlanke Personen können gut eine größere Krempe tragen. Ob die Person sich das dann traut, ist was anderes. Ich empfehle gern. Zunächst versuche ich immer, auf die Wünsche des Kunden oder der Kundin einzugehen. Denn wenn sich jemand in etwas nicht wohlfühlt, dann versuche ich nicht, jemanden auf Biegen und Brechen davon zu überzeugen, dass er das jetzt kaufen muss. Denn es ist zu bezweifeln, ob der Hut dann wirklich aufgesetzt wird. Oder der Hut wird nach ein paar Tagen wieder zurückgebracht, weil man nach längerem überlegen festgestellt hat, dass es nicht das Richtige ist.
Beate Paschke
Ja, das wäre schade.
Wir haben Jahresende 2025 und die Mode schaut schon längst in die Zukunft, schon für den Sommer. Aber bleiben wir doch noch bei der kalten Jahreszeit, beim Winter. Welche Huttrends sind denn im Moment angesagt? Gibt es die bei Hüten überhaupt?
Carina Kunth
Die Hutmode orientiert sich sehr stark an der Textilmode. Das ist auch normal, weil daher auch die Trends für Farben, Schnitte, Muster usw. kommen. Momentan gibt es aber tatsächlich einen Huttrend – es geht alles ein bisschen in Richtung Western. Das ist natürlich was Breitkrempiges und ist vielleicht nicht jedermanns Geschmackssache.
Aber generell kann man sagen, die Hutmode ist doch eine Mode, die relativ zeitlos ist. Ein klassisches Modell für die Dame ist eine Cloche, also eine Glocke, und ein Fedora für den Herrn. Das sind Beispiele für Hutformen, die schon seit über 100 Jahren existieren und die eigentlich nie aus der Mode gehen. Es ist dann eine Frage des Stils, ob so ein Modell zur Stilrichtung der Kleidung passt. Trends gibt es auf jeden Fall bei Farben. Ich habe jetzt deutlich gemerkt, dass ich mehr Braun und Beige oder auch mal hellere Cremetöne verkaufe, weil diese Farben auch die Textilmode dominieren, und auch Grün ist ein Thema.

Beate Paschke
Ja, Braun passt auch gut mit Beige zusammen. Das ergibt so eine Kaffee-Creme-Kombination. Die Farbexperten von Pantone hatten für 2025 „Mocca Mousse“ als Trendfarbe gekürt. Jetzt wird es ja bald abgelöst von einer anderen Farbe, von einem Weißton, „Cloud Dancer“. Es ist nicht genau wie Beige, aber schon ziemlich nah dran. Kunden, die jetzt bei Ihnen schon etwas kaufen, trotzdem sicher sein können, dass sie bisherige und neue Farbtrends wunderbar miteinander gut kombinieren können. Was sind denn geeignete und hochwertige Materialien für einen Winterhut, gerade auch wenn es regnet oder für Frost? Und woran erkenne ich die Qualität eines Winterhutes?
Carina Kunth
Das ist eine gute Frage. Im Winter werden ja vorrangig Filzhüte getragen, weil Filz ein sehr schönes Material ist, was sehr stark wasserabweisend ist und letztendlich hat der Hut ja nicht nur eine schöne kleidende Aufgabe, sondern auch eine schützende Funktion. Wenn man einen guten Filzhut trägt, braucht man keinen Schirm mehr, weil Filzhüte ihre Träger am Kopf trocken und warm halten. Es gibt natürlich Unterschiede beim Filz. Das Einstiegsmaterial ist meistens der Wollfilz.
Außerdem gibt es verschiedene Haarfilze. Wenn man allgemein vom Haarfilz spricht, ist es meistens Kaninchenfilz, aber es gibt natürlich auch Exotenfilze. Die fühlen sich noch deutlich weicher an. Das wäre zum Beispiel Filz aus Kaschmirwolle, Biberhaar und Guanakowolle. Es ist sehr speziell, sehr weich, wird aber gar nicht mehr so oft verwendet, weil Guanakowolle leider die letzten Jahre sehr, sehr teuer geworden ist. Man muss halt beim Haarfilz dann auch ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Ein Haut aus Haarfilz, zum Beispiel Kaninchenhaarfilz, kostet mindestens 200 Euro, egal ob für Herren oder für Damen. Hüte aus Wollfilz sind deutlich günstiger. Da können Sie schon für 70 oder 80 Euro einen guten Hut bekommen. Entscheidend ist aber immer, dass man sich mit seinem Hut wohlfühlt.
Beate Paschke
Sie sagen, für einen Hut aus sehr hochwertigem Material sollte man mindestens circa 200 Euro investieren. Das ist auch eine wichtige Investition, denn man hat ja wahrscheinlich nicht so viele Hüte im Kleiderschrank wie möglicherweise T-Shirts oder Socken. Deshalb soll die Investition gut überlegt sein und der Hut soll selbstverständlich sehr gut passen. Ist es sinnvoll, in diesem Fall einen Klassiker zu kaufen?
Carina Kunth
Ich würde auf jeden Fall empfehlen, mit etwas Klassischem zu beginnen. Wenn man irgendwann später noch einen zweiten oder dritten Hut kauft, kann man da ja ein bisschen modischer und mutiger werden. Davon abgesehen kann man sich vor Augen halten, der Hut passt immer, egal wie viel Sahnetorte man isst, am Kopf nimmt man so gut wie nicht zu oder ab.

Klassische Hutformen
Beate Paschke
Das ist eine gute Überlegung, ein Vorteil.
Carina Kunth
Gerade Filzhüte können einen Menschen tatsächlich das ganze Leben lang begleiten, weil das ein sehr dankbares und robustes Material ist. Wenn man es gut lagert, hat man lange Freude daran. Ein Filzhut sollte man möglichst trocken in eine Schachtel einpacken und idealerweise noch einen Mottenschutz dazulegen.
Das macht sich ganz gut mit Lavendelsäckchen. Und wenn man sich ein gutes Material, wie beispielsweise einen Haarfilz kauft, kann man den Hut später auch umarbeiten oder aufarbeiten lassen. Das ist gar kein Problem. Wenn jemandem seine Hutform irgendwann doch nicht mehr gefällt, dann kann man ja zu mir ins Geschäft kommen und den Hut einfach umarbeiten lassen. Das ist eigentlich ganz praktisch. Man macht aus dem alten Hut einen neuen.
Beate Paschke: Auch prima.
Carina Kunth
Genau. Nachhaltigkeit ist bei Hüten ein ganz großes Thema. Hüte unterliegen nicht der gleichen Schnelllebigkeit wie der Textilbereich.
Beate Paschke
Stichwort Lagerung des Hutes. Brauche ich für jeden Hut einzeln eine Hutschachtel oder welche Alternativen habe ich? Wie mache ich es am besten?
Carina Kunth
Man muss nicht für jeden Hut eine einzelne Schachtel haben. Wenn man den Platz hat, kann man das natürlich gern tun. Auf jeden Fall aber würde ich zwischen Sommer- und Winterhüten trennen, weil das Wintermaterial schwerer ist. Das sollte man keinesfalls auf einen sehr leichten Strohhut drauflegen, sonst könnte man die Form des Sommerhutes beeinträchtigen. Am besten lagert man Winterhüte mit Winterhüten und Sommerhüte mit Sommerhüten. Grundsätzlich empfehle ich immer, wenn man einen Hut längere Zeit nicht trägt, ihn in ein Behältnis einzupacken. Eine Hutschachtel aus einer Cartonage eignet sich da am besten dafür. Möglichst nichts aus Kunststoff nehmen, das ist halt nicht atmungsaktiv. Der Hut ist so am besten geschützt, weil dadurch Staub ferngehalten wird.
Beate Paschke
Weihnachten steht vor der Tür und die Menschen suchen nach Geschenken für ihre Lieben. Ich glaube, für sich selbst ist es vergleichsweise leicht, einen passenden zu finden. Aber was halten Sie denn davon, wenn jemand versucht, einem Freund, einem lieben Menschen, einem Familienmitglied, einen Hut zu schenken? Man kennt vielleicht zufällig die Größe und sagt, okay, ich könnte mir vorstellen, der Person passt dieser Hut besonders und dieser Person schenke ich das zu Weihnachten. Was halten Sie davon?
Carina Kunth
Das ist ein sehr beliebtes und schwieriges Thema jedes Jahr. Ich empfehle, lieber einen Gutschein zu kaufen und dann mit der zu beschenkenden Person zusammen in den Hutladen zu kommen und gemeinsam ein schönes Einkaufserlebnis zu haben. Dann wird vor Ort selbst probiert. Das ist wichtig, weil nicht jeder Hut sitzt gleich gut, nicht jeder Kunde hat dieselbe Kopfform und es ist immer besser, einen Hut zu probieren. Und bei Bedarf kann man hier im Geschäft noch kleine Anpassungen vornehmen.
Mit einem Gutschein hat man somit auch eine gewisse Freiheit und ist nicht festgelegt. Berücksichtigen sollte jemand, der sich nicht auf den Gutschein einlässt und lieber etwas „Handfestes“ gleich mitnehmen will, dass es manchmal mit dem Umtausch schwierig werden kann, weil manche Manufakturen keine Nachproduktion anbieten.
Das heißt also, falls man sich einfach nur in der Größe vertan hat, und die passende Größe schon vergriffen ist, kann es dann vielleicht „ein langes Gesicht“ geben und das will ich von vornherein vermeiden. Deshalb empfehle ich immer, lieber einen Gutschein zu nehmen.
Es ist doch ein schönes Erlebnis, wenn man mit der beschenkten Person herkommt, einen schönen Tag in der Stadt hat und hier ein schönes Einkaufserlebnis hat.
Beate Paschke
Gutscheine bieten Sie sicherlich auch an?
Carina Kunth
Ja, natürlich. Der Betrag ist frei wählbar und auch laut Gesetzesvorgabe mindestens drei Jahre gültig. Ich bin da aber auch kulant, falls der Gutschein etwas älter ist. Wenn man lieb fragt, ist das gar kein Problem.
Beate Paschke
Wunderbar. Da freuen sich die Kunden natürlich besonders. Aber bezüglich der Frage, wie finde ich für mich den richtigen und passenden Winterhut, gibt es noch eine Frage, die ich nicht gestellt habe, die Sie aber für wichtig halten und die Sie gern noch beantworten würden. Gibt es noch irgendetwas Wichtiges, das fehlt?
Carina Kunth
Eigentlich nicht. Man sollte auf jeden Fall zum Einkaufen Zeit mitbringen. Einen Hut zu kaufen ist immer schwierig, wenn man nur fünf Minuten Zeit hat. Dafür sollte man sich auf jeden Fall ein bisschen mehr Zeit nehmen. Wenn der Hut zu einem speziellen Outfit passen soll, sollte man dementsprechend von dem Outfit, ob es nun ein Kleidungsstück, ein Schuh oder ein Gürtel oder eine Tasche ist, das vielleicht mitbringen, damit man auch wirklich sieht, ob die Farbe und der Stil perfekt zusammenpassen. Außerdem biete ich für Damen auch Einzelanfertigungen an. Dann können wir gleich eine individuelle Anfertigung vornehmen. Aber Zeit ist der wichtigste Faktor. Dass man sich auf das Hutprobieren einlassen kann und dementsprechend entspannt beim Einkaufen oder bei der Beratung ist. Nichts ist schlimmer, als wenn man unter Druck kauft.
Beate Paschke: Nein, das ist nicht gut. Da passieren die meisten Fehlkäufe.
Carina Kunth: Tatsächlich, ja.
Beate Paschke
Vielen Dank erstmal für diese wertvollen Tipps und Einblicke.
Jetzt bin ich noch ein bisschen neugierig auf Sie und überhaupt den wunderschönen Laden. Ich habe schon gesehen, ihn gibt es ja nicht erst seit gestern oder vorgestern. Den Hutladen gibt es schon sehr lange, nämlich seit 1928. Frau Kunth, Sie haben einen interessanten Lebenslauf. Sie sind ja, soweit ich weiß, im Hut-Fachgeschäft Quereinsteigerin, wenn ich das so sagen darf. Wie sind Sie denn dazu gekommen und warum machen Sie das?
Carina Kunth
Ja, durch das Kennenlernen meines Ehemannes habe ich quasi eingeheiratet in die Branche. Meine Schwiegermutter hatte das Geschäft bereits seit fast 30 Jahren geführt. Ich habe damals einfach nur im Verkauf gearbeitet. Und ja, meine Schwiegereltern in spe haben mich irgendwann gefragt, ob ich Lust hätte, sie hin und wieder hier im Laden zu vertreten. So bin ich langsam in die Hutwelt eingeführt worden. Irgendwann kam natürlich die Frage meiner Schwiegermutter, ob ich es mir vorstellen kann, das Geschäft zu übernehmen. Da musste ich natürlich auch das nötige handwerkliche Geschick mitbringen. Das hat mir meine Schwiegermutter dann alles beigebracht.
Beate Paschke
Der Hutladen, ist ja fast schon 100 Jahre alt. Zum Jubiläum gibt es bestimmt eine große Party. Was hat er dann in den fast 100 Jahren denn schon so alles erlebt?
Carina Kunth
Martha Kern hieß die Gründerin des Geschäfts. Der Laden war ursprünglich, also ganz, ganz früher in Alt-Lindenau angesiedelt. Sie ist dann relativ schnell nach Großzschocher umgezogen, in der Nähe vom Adler in Leipzig. Bis zur Wendezeit war es ein reiner Verkauf von Damenhüten und hieß auch „Damenhutsalon“ und gar nicht „Der Hutladen“. Den Namen hat erst meine Schwiegermutter nach der Wende geändert, weil das Sortiment erweitert wurde und es hier nun auch Herrenhüte zu kaufen gab. Und ja, Modisten oder Putzmacherinnen, wie es früher hieß, haben ausschließlich von ihrer Eigenproduktion gelebt.
Es gab ja zu DDR-Zeiten nicht diese große Menge an Handelsware wie heute, deswegen wurde nur Eigenanfertigung verkauft. Das hat sich unterdessen gewandelt, so dass ich auch Waren einkaufe, hinzukaufe und nicht alles selber produziere. Ich hätte sonst große Schwierigkeiten, die Ladenöffnungszeiten und Arbeit in der Werkstatt zu koordinieren.
Aber im Wandel der Zeit hat der Hutladen eine bewegte Geschichte durchlebt. 1928 gegründet, wurde immer von Frauen geführt, mittlerweile in der fünften Generation. Es war aber nicht immer eine Familiennachfolge und ich stehe jetzt tatsächlich in 5. Generation hier.
Wir fiebern dem 100. Geburtstag schon ein bisschen entgegen und wir machen uns natürlich jetzt schon so ein paar Gedanken, was man da so machen könnte. Ich glaube, heutzutage ist es nicht mehr alltäglich, dass ein Geschäft so lange durchhält und alle Höhen und Tiefen mitmacht. Zu DDR-Zeiten war es als Selbstständiger nicht so einfach zu überleben und dann sieht man erst, wie beständig man sein kann.
Beate Paschke
Gerade wenn ich jetzt noch mal zurückdenke, Kriegszeiten und auch Corona mit mehreren Lockdowns haben Sie mit dem Hutladen überlebt.
Carina Kunth
Da bin ich auch ganz zuversichtlich. Meine Schwiegereltern haben mir auch ein bisschen Mut gemacht. Gerade vor fünf Jahren, als die Corona-Pandemie ausbrach, da hat mein Schwiegervater gesagt: „Der hat den Weltkrieg und die 40 Jahre DDR überlebt, dann überlebt er auch das“. Man muss das ganz pragmatisch angehen. Und ich habe, glaube ich, auch Glück, weil ich sehr treue und liebe Kunden habe. Sie sind dann auch ganz schnell, als die Geschäfte wieder offen waren, wiedergekommen und haben sich auch gefreut, dass ich noch da bin.
Ich hoffe doch, dass ich die nächsten 20 Jahre, bis ich dann mal in Rente bin, noch viele neue nette Kunden kennenlerne und dass der Hutladen weiterhin so erfolgreich geführt wird.
Beate Paschke
Ich wünsche es Ihnen. Wer kauft denn mehr Hüte? Männer oder Frauen?
Carina Kunth
Tatsächlich die Herren. Das ist sicherlich auch dadurch bedingt, dass die meisten Herren ab einem gewissen Alter doch zunehmend schütteres Haar haben. Das teilt sich auch relativ klar und deutlich ab. Also 70 Prozent meiner Kunden sind tatsächlich Herren und nur 30 Prozent Damen. Was auch bemerkenswert ist, die Herren geben im Durchschnitt gerne ein bisschen mehr Geld für Hüte aus, weil wenn man schon mal die Notwendigkeit hat, dass man einen Hut oder generell eine Kopfbedeckung kaufen muss, um sich vielleicht auch vor Sonne oder Kälte zu schützen, je nachdem in welcher Jahreszeit man ja unterwegs ist, dann gibt man, glaube ich, da auch gerne für sich ein bisschen mehr Geld aus und das finde ich auch schön so.
Beate Paschke
Wie ich gerade sehe, Sherlock Holmes lässt auch grüßen. Wie spannend, dass ich hier sein Hutmodell finde. Man sieht es selten. Wie heißt das Modell denn richtig und was hat es mit der besonderen Hutform so auf sich?


Carina Kunth
Ja, das ist ein „Deerstalker“. Eigentlich ist es eine Mütze, die in England zur Jagd getragen wird. Da es dort meistens viel regnet, haben sich die Engländer entschieden, nicht nur eins, sondern zwei Schilde anzubringen, damit man im Gesicht und auch im Nacken vor Nässe gut geschützt ist, wenn man lange auf dem Hochsitz ausharrt und dann wartet, bis das Reh mal vor die Flinte läuft.
Der originale Deerstalker wird meistens in Harris-Tweed angefertigt und geliefert. Tweed ist das beste Material, das man dafür verwenden kann, weil es hervorragend vor Regen, Wind und Nässe schützt.
Beate Paschke
Herzlichen Dank für das aufschlussreiche und kurzweilige Gespräch. Viel Freude, Elan und Erfolg für Sie und den Hutladen.
Fotos: Beate Paschke