Reise mit Stil, Anstand und Respekt
Es müssen gar nicht die Exzesse am Ballermann gemeint sein, wenn wir von Touristen hören oder lesen, die ihren Anstand offenbar zu Haue vergessen haben, jene die Denkmäler und Kulturstätten beschmieren oder beschädigen, sich in einem Museum auf einen unbezahlbaren Stuhl setzen und ihn damit zerstören; die Spanische Treppe in Rom mit dem Auto herunterfahren und noch dazu steckenbleiben und so weiter.
Leider reichen offenbar behördliche und öffentliche Maßnahmen nicht aus, um solch ein Verhalten zu verhindern. Weder strenge Überwachung und Bußgelder noch kreative Werbekampagnen oder Touristen-Botschafter. Aber warum verhalten sich Menschen so auf Reisen?
Spiel und Spaß ohn´ Unterlass
Werbeprospekte für Reise und Urlaub versprechen herrliche Tage bei Sonne, Meer, Spiel und Spaß und laue Nächte mit Party, Drinks und Clubbing. Klar, der wohlverdiente Urlaub ist zur Erholung da. Ein wünschenswertes Kontrastprogramm zu Arbeit und Alltag, der Tapetenwechsel zur heimatlichen Umgebung, Freiheit statt Termindruck und Taktung. Und, in der Fremde kennt man Dich nicht. Daher meinen manche, ungeniert tun und lassen zu können, was sie wollen, egal, was andere davon halten.
Dabei vergessen viele, dass auch das schönste Touristenparadies die Heimat anderer Menschen ist. Menschen, die ihrer Arbeit nachgehen, für ihre Familie sorgen und ihr alltägliches Leben leben, während sich die Touristen wie im Vergnügungspark fühlen.
Sie denken nicht daran, dass ihr Urlaubsort für andere Menschen das Zuhause ist. Sie pflegen andere Sitten und Gebräuche, es gelten andere Werte und Regeln. Sie sind die Gastgeber. Schon deswegen haben sie Anspruch auf Respekt und Rücksichtnahme. Fragen Sie sich selbst: Wie würden Sie sich fühlen, wenn sich Touristen in Ihrem Heimatort respektlos aufführen, Sehenswürdigkeiten und Werte beschädigen?

Auf der Jagd nach dem spektakulärsten Bild
Der Hype, sich auf Social Media zu präsentieren, Challenges zu veranstalten und mit seinen Bildern und Beiträgen das „Ich kann´s höher, weiter, besser als du“ zu zelebrieren befeuert fragwürdiges Verhalten nur noch. Follower wollen dieselben Orte besuchen, das Gleiche noch waghalsiger tun und davon Selfies an die Welt schicken.
Sie auch? Aber ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Sie beim vielen Fotografieren vergessen, das Betrachtete ganz live anzuschauen. Der Blick durch die Linse, die Betrachtung des Fotos nimmt Ihnen die Möglichkeit, das Original, seine Atmosphäre wahrzunehmen.

Gefahr für Kultur, Kultiviertheit und Kulturerbe
Vandalen gibt es zwar in jeder Gesellschaft, aber fehlender Respekt für Kultur, Sitten und Bräuche der anderen, der Fremden scheint besonders von Besuchern und Touristen auszugehen. Dieselben Menschen wären wahrscheinlich entrüstet, würden sich Besucher ihres Heimatlandes ebenso respektlos verhalten. Ist aber der „Ich will Spaß!“- Modus aktiv, kann schnell ein ganzer Reiseort als Spielplatz betrachtet werden. Aber dann sind Kultur, Kultiviertheit und Anstand dahin.

Soweit lassen Sie es nicht kommen!
Informieren Sie sich über Ihr Reiseziel
Seien Sie sich bewusst, Ihr Urlaubsort ist für andere Menschen die Heimat. Finden Sie heraus, welche wirtschaftliche Situation, welche kulturellen Normen und welche Tabus dort gelten. Egal, wie Sie über andere Kulturen denken – respektieren Sie ihre Errungenschaften und ihre Werte.

Leg das Handy weg
Das Smartphone ganz wegzulegen muss ja nicht sein, aber versuchen Sie einmal, es weniger zu benutzen. Schauen Sie sich den Ort, die Umgebung und die Menschen genauer an. Sie werden sie viel echter und eindrucksvoller wahrnehmen, wenn Sie sie eben nicht nur durch die Kamera anschauen. So bekommt Ihre ganz persönliche Erfahrung mehr Tiefe.
Verhalte Dich vorbildlich
Wenn Sie das Posten auf Social Media lieben, dann senden Sie schöne und positive Botschaften über das Reisen. Laufen Sie nicht der Masse nach, folgen Sie nicht dem Mainstream, gehen Sie andere Pfade, entdecke Sie neue Orte, unbekannte Ecken und deren geheime Sehenswürdigkeiten.

„Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andren zu“
Anstatt nur herumzulaufen und zu schauen nehmen Sie Kontakt zu Einheimischen auf. Wenn Sie Fotos machen und posten möchten, fragen Sie bitte nach Einverständnis. Entdecken Sie bisher unentdeckte lokale Geschäfte und Restaurants. Berichten Sie positiv über den Urlaubsort, so wie Sie sich wünschten, dass andere über Ihren Heimatort berichten. Die besten Touristen sind neugierig und respektvoll – Und Empfehlungen können sich auszahlen.

„Das Reisen lehrt Toleranz.„
(Benjamin Disraeli)
Fotos: Beate Paschke

